Die digitale Produktentwicklung wird in vielen Unternehmen immer wichtiger. Begriffe wie Model-Based Definition, kurz MBD, oder Model-Based Enterprise, kurz MBE, tauchen dabei zunehmend häufiger auf. Doch was bedeuten diese Begriffe eigentlich – und welche Rolle spielt das ISO GPS-System dabei?
Was bedeutet MBD?
Bei der Model-Based Definition wird das 3D-Modell eines Bauteils nicht mehr nur als geometrische Darstellung genutzt. Es wird zusätzlich mit weiteren produktrelevanten Informationen ergänzt. Dazu gehören zum Beispiel Maße, Toleranzen, Oberflächenangaben, Werkstoffinformationen oder weitere technische Anforderungen.
Moderne CAD-Systeme sind heute in der Lage, solche Informationen direkt am 3D-Modell zu hinterlegen. Entscheidend ist dabei, dass diese Angaben nicht nur visuell dargestellt werden, sondern möglichst auch strukturiert und maschinenlesbar vorliegen. Dadurch entsteht eine digitale Produktdefinition, die weit über ein reines 3D-Modell hinausgeht.
Das Ziel von MBD ist also, ein Produkt möglichst vollständig an dem digitalen Modell zu beschreiben.
Statt technische Informationen aus einer 2D-Zeichnung manuell zu interpretieren und in andere Systeme zu übertragen, können produktrelevante Daten direkt aus dem digitalen Modell genutzt werden. Dadurch lassen sich Medienbrüche reduzieren, Fehlerquellen verringern und Prozesse effizienter gestalten.
Langfristig kann MBE dazu beitragen, dass klassische 2D-Zeichnungen als alleiniger Informationsträger an Bedeutung verlieren. In vielen Unternehmen werden Zeichnungen zwar weiterhin eine Rolle spielen, aber der zentrale Gedanke von MBE ist klar: Das 3D-Modell wird zur führenden Informationsquelle.

Welche Bedeutung hat ISO GPS für MBD?
Damit MBD in der Praxis funktioniert, müssen die geometrischen Anforderungen an ein Bauteil eindeutig, vollständig und interpretierbar beschrieben werden. Genau hier kommt das ISO GPS-System ins Spiel.
Das ISO GPS-System stellt Regeln, Symbole und Konzepte bereit, mit denen geometrische Anforderungen an Bauteile eindeutig festgelegt werden können. Dazu gehören unter anderem Angaben zu (Größen-)Maßen, Form-, Richtungs-, Orts- und Lauftoleranzen, Bezügen und Bezugssystemen und zur Oberflächenbeschaffenheit. Diese können sowohl für 2D Zeichnungseintragungen als auch für die Tolerierung am 3D-Modell angewendet werden.
Nur eine eindeutige und vollständige geometrische Tolerierung von Bauteilen stellt sicher, dass sowohl für die Herstellung als auch für die Messung die richtigen Informationen bereitgestellt werden, um den Vorteil der digitalen Durchgängigkeit voll ausnutzen zu können.
Der wesentliche Punkt dabei ist: MBD liefert die digitale Umgebung und ISO GPS liefert die fachliche Sprache für die geometrische Produktspezifikation.
Digitale Durchgängigkeit braucht eindeutige Informationen
Ein digitales 3D-Modell allein reicht nicht aus, um einen durchgängigen und zuverlässigen Prozess sicherzustellen. Wenn die geometrischen Anforderungen nicht eindeutig beschrieben sind, entstehen auch im digitalen Prozess Interpretationsspielräume.
Das kann beispielsweise dazu führen, dass Konstruktion, Fertigung und Messtechnik unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was eigentlich gefordert ist. Gerade bei Toleranzen ist das kritisch, weil sie direkten Einfluss auf Funktion, Herstellbarkeit, Prüfaufwand und Kosten haben.
Nur wenn die geometrische Spezifikation eindeutig und vollständig ist, können digitale Prozesse ihren vollen Nutzen entfalten. Dazu gehört auch, dass die Informationen für nachgelagerte Prozesse verständlich und nutzbar sind.
Fazit: MBE funktioniert nur sinnvoll mit ISO GPS
MBD und MBE schaffen die technische Grundlage für digitale, durchgängige Produktentstehungsprozesse. Das ISO GPS-System sorgt dafür, dass die geometrischen Anforderungen eindeutig und normgerecht beschrieben werden.
Deshalb gilt: Model-Based Enterprise funktioniert nur dann sinnvoll, wenn die geometrischen Anforderungen klar, vollständig und nach einem einheitlichen System spezifiziert sind. Genau dafür ist ISO GPS die zentrale Grundlage.