Was ist ISO GPS?
GPS ist die Abkürzung für Geometrische Produktspezifikation. Dahinter verbirgt sich eine Zusammenstellung von internationalen Normen, die als ISO GPS-System bezeichnet werden. In den Normen sind Symbole und Regeln festgelegt, mit denen die Geometrie von Bauteilen und deren zulässige Abweichungen durch Toleranzen eindeutig beschrieben werden können. Es sind Toleranzen für Maße, für die Form (beispielsweise Ebenheit oder Rundheit) und Lage (Parallelität, Rechtwinkligkeit, Position oder Symmetrie in Verbindung mit Bezügen) von Geometrieelementen sowie deren Oberflächenrauheit definiert. Es gibt auch Normen für Allgemeintoleranzen.
Ein Teil der Normen ist dazu da, Messverfahren und Messgeräte zur Geometrieprüfung zu beschreiben.
Welche GPS Normen muss man unbedingt kennen?
Aus den ca. 150 Normen des ISO GPS-Systems sind die ISO 8015, die ISO 1101, die ISO 14405-1, die ISO 21920 Serie mit drei Normen und die ISO 22081 die wichtigsten, um eine technische Zeichnung erstellen und lesen zu können.
Die ISO 8015 enthält 13 Grundsätze, die übergeordnet für das Tolerieren und Lesen von technischen Zeichnungen zu beachten sind.
Die ISO 1101 definiert Symbole, Begriffe und Regeln für Form, Richtungs-, Orts- und Lauftoleranzen, oft bezeichnet als Form- und Lagetoleranzen.
In der ISO 14405-1 geht es um lineare Größenmaße. Darin ist beispielsweise auch die Hüllbedingung festgelegt und wie der Tolerierungsgrundsatz auf Hüllbedingung für die gesamte Zeichnung geändert werden kann.
Rauheitssymbole und Kenngrößen sind in der ISO 21920 Teil 1 bis 3 zu finden.
Für Allgemeintoleranzen, die viele Jahre mit der ISO 2768 eingetragen wurden, gibt es seit 2021 eine neue Norm. Die ISO 22081 enthält ein neues Konzept zur Festlegung von Allgemeintoleranzen, was eine wesentliche Motivation für die Überarbeitung der IHK-Prüfungen war.
Wann wurde GPS eingeführt?
Form- und Lagetoleranzen werden bereits seit vielen Jahrzehnten eingesetzt. Wesentliche Grundlagen des heutigen ISO GPS-Systems gehen sogar darüber hinaus auf das True-Position-Prinzip zurück, das während des Zweiten Weltkriegs zur Beschreibung von Bauteilgeometrien und zur Verbesserung derer Austauschbarkeit entwickelt wurde.
1996 wurde auf internationaler Ebene beschlossen, bestehende Normen zur geometrischen Beschreibung, Tolerierung und Messung zum ISO GPS-System in einem Normengremium weiterzuentwickeln. Erste grundlegende Normen wurden bereits vor 2000 veröffentlicht.
Mit der Veröffentlichung der ISO 8015 im Jahr 2011 wurde dann ein entscheidender Schritt bei der Einführung von GPS erreicht. Ein Grundatz dieser Norm legt fest, dass das ISO GPS-System für die gesamte Zeichnung gilt, sobald ein Symbol oder eine Norm aus dem Normensystem auf der Zeichnung verwendet wird. Die Angabe einer Passung für eine Bohrung oder eines Rauheitssymbols ist also bereits ausreichend, um diesen Grundsatz zu erfüllen. Damit gelten für (fast) alle technischen Zeichnungen ab 2011 die GPS-Regeln, auch wenn es keinen expliziten Verweis auf die Normen gibt.
Warum ist das ISO GPS-System wichtig?
Normen stellen den Stand der Technik dar. Dieser ist unter anderem in Verbindung mit der Produkthaftung, Qualitätsansprüchen und einer internationalen Vergleichbarkeit von Firmen relevant. Wer nicht nach dem Stand der Technik arbeitet, läuft Gefahr, dass die Produkte fehlerhaft und unzuverlässig sind und somit die Firma wirtschaftlich schädigen.
Ist GPS für Auszubildende prüfungsrelevant?
Die Regeln des ISO GPS-Systems werden seit dem Frühjahr 2026 in den Zwischen- und Abschlussprüfungen der IHK für die metall- und maschinenbautechnischen Berufe, beispielsweise Zerspanungsmechaniker, Werkzeugmechaniker, Industriemechaniker, Metallbauer oder Feinwerkmechaniker und auch für die Technischen Produktdesigner abgefragt.
Beinhalten die Allgemeintoleranzen auch GPS-Toleranzen?
Auch die heutigen Allgemeintoleranzen basieren auf dem ISO GPS-System. Dieses ersetzt frühere, überwiegend fertigungsorientierte Vorgehensweisen und richtet den Blick konsequent auf die funktionalen Anforderungen an ein Bauteil. Dadurch ist ISO GPS für die Erstellung und Interpretation jeder neuen technischen Zeichnung von grundlegender Bedeutung.
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