ISO GPS für die Ausbildung

26. August 2026
Wissen

Inhaltsverzeichnis

TL;DR

Seit 2026 ist ISO GPS flächendeckend Bestandteil zahlreicher PAL-Prüfungen. Ausbilder, Prüfer und Auszubildende müssen deshalb zentrale Regeln wie ISO 8015, Bezugssysteme, Allgemeintoleranzen, Maße und Modifikatoren sicher verstehen und anwenden können. Entscheidend ist eine strukturierte, praxisnahe Umstellung der Ausbildung.

Wen betrifft das Thema ISO GPS in der Ausbildung?

ISO GPS als internationales Normensystem für die eindeutige geometrische Beschreibung von Bauteilen, deren Fertigung und Messung spielt in vielen technischen Ausbildungsberufen eine Rolle. Die IHK Prüfungsaufgaben- und Lehrmittelentwicklungsstelle (PAL) hat entschieden, die Normeninhalte ab 2026 in die Zwischen- und Abschlussprüfungen aufzunehmen.

Für diese Ausbildungsberufe und noch weitere ist das Wissen relevant: Fachkraft für Metalltechnik, Fachpraktiker für Zerspanungsmechanik, Fertigungsmechaniker, Industriemechaniker, Maschinen- und Anlagenführer, Werkzeugmechaniker und Technische Produktdesigner. Die ausführliche Liste hat die PAL in den Umsetzungsempfehlungen aus dem Frühjahr 2026 veröffentlicht.

Die Ausbilder und Lehrenden dieser Berufe werden vor die Herausforderung gestellt, die Normeninhalte zu kennen und vermitteln zu können.

Auszubildende müssen also ISO-GPS-Wissen aufbauen und anwenden können. Werden von Beginn an die Grundlagen dazu vermittelt, dann wird in Verbindung mit der Nutzung von CAD-Systemen die Hemmschwelle zur Anwendung gesenkt.

Prüfer sind oft auch die Ausbilder in den Unternehmen und somit doppelt gefordert.

ISO GPS in der Ausbildung
ISO GPS ist mittlerweile stark in der Ausbildung verankert

Was sind die wichtigsten Neuerungen für die Ausbildung?

Das Zusammenwirken der Normen ist in einer Hierarchie verankert. Eine der wesentlichen übergeordneten Normen, die alle kennen müssen, ist die ISO 8015 mit 13 Grundsätzen aus dem Jahr 2011. Diese Grundsätze beeinflussen die Interpretation der Eintragungen in der Zeichnung, ohne dass die Norm extra angegeben werden muss.

Die GPS-Tolerierung setzt die Funktion in den Mittelpunkt, um sicherzustellen, dass die Funktion des Bauteils erreicht und auch entlang der Produktentstehung kommuniziert wird. Bisher wurde sehr stark fertigungsorientiert toleriert, was zu Bauteilen führen kann, die die Funktion nicht erfüllen, auch wenn sie nach Spezifikation gefertigt werden.

Als Grundkonzept gilt, dass die Bauteile gedanklich in einzelne Geometrieelemente zerlegt werden müssen, um eine eindeutige und vollständige Tolerierung des gesamten Bauteils zu erreichen. Eintragungen gelten prinzipiell zunächst für die einzelnen Geometrieelemente oder ihre Beziehung zu einem oder mehreren anderen.

Hier ist ein Bauteil zu sehen, dass gedanklich in einzelne Geometrieelemente explodiert:

Bezüge sind Referenzen, um Geometrieelemente zueinander in Beziehung zu setzen, beispielsweise die Parallelität einer ebenen Fläche zu einer zweiten Ebene. Wichtig für die Umstellung auf ISO GPS ist, dass aus einzelnen Bezügen ein Bezugssystem aufgebaut wird, mit dem die Freiheitsgrade des Bauteils gebunden und ein Koordinatensystem für das Bauteil aufgebaut wird. Eine festgelegte Reihenfolge der Bezüge sichert eine funktionsorientierte und vergleichbare Basis.

Um die Eintragung auf der Zeichnung zu minimieren, gelten sogenannte Defaults. Das sind Festlegungen, die gelten, ohne dass sie explizit angegeben werden. Welche Defaults gelten, steht in den entsprechenden GPS-Normen.

Die neuen Allgemeintoleranzen nach ISO 22081 sind ein Grund für die Umstellung der Prüfungen. Im Jahr 2022 wurde die ISO 2768 ersetzt, um auch allgemeine Angaben nach neuesten Regeln eintragen zu können.

Den Unterschied zwischen Größenmaßen und Abstandsmaßen zu kennen, ist ein Schlüssel für die eindeutige Tolerierung. Bisher wurden Längen bei der Tolerierung nicht unterschieden. Plus-Minus-Toleranzen für Abstandsmaße führen aber zu Mehrdeutigkeiten, weil Formabweichungen nicht berücksichtigt werden.

Modifikatoren sind Zusatzsymbole, die eingetragen werden, um Default-Festlegungen außer Kraft zu setzen. Ein wichtiger Modifikator ist das E im Kreis für die Hüllbedingung, die es schon seit vielen Jahren gibt, aber bis 2011 nicht explizit eingetragen werden musste.

Auch für die Einschränkung der Rauheit gibt es seit wenigen Jahren eine neue Norm. Ein erweitertes Symbol und veränderte Regeln fordern auch dafür ein Umlernen.

Wie kann die Umstellung gelingen?

Die ISO-GPS-Regeln und die damit verbundenen Änderungen gegenüber den bisherigen Ausbildungsinhalten richtig anzuwenden, setzt aus unserer Erfahrung eine strukturierte Vorgehensweise voraus.

Zunächst muss sich der Ausbilder mit den Grundlagen auseinandersetzen. Je nach Ausbildungsberuf muss die Tolerierung oder die Interpretation in den Mittelpunkt gestellt werden. An Übungsbauteilen sollten sowohl die Tolerierung als auch am gefertigten Teil die Messung der neuen Eintragungen geübt werden.

 

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Ein Artikel von
Robert Hofmann
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